Lend // Graz

„Lend ist ein junges Viertel. Es ist klassisch und ausgeflippt.“

PLATZHALTER
Soziales und Geographie

Der Bezirk Lend liegt im Zentrum von Graz, auf der rechten Seite des Flusses der sich durch die Stadt zieht. Lend hat aktuell mit 23% den  zweitgrößten Anteil an MigrantInnen in Graz (im benachbarten Gries leben 27%) – auf gesamtstädtischer Ebene liegt der Anteil bei 14%. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die seit Jahrhunderten günstige Immobilien- und Mietpreise im Lend.

 

Geschichte

Der Bezirk Lend gehörte zum nördlichen Teil der alten Murvorstadt, welcher seit jeher besondere verkehrstechnische Bedeutung zukommt, aber auch immer die „schlechtere“ der beiden Flussseiten war, an der das Proletariat und die Aussetzigen lebten. Der Lendplatz und seine Umgebung waren immer „Handelsumschlagplätze“ mit Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben sowie gewerblicher Infrastruktur. Noch heute zeugen der Mühlgang und der Markt am Lendplatz von dieser Entwicklung. Somit bestimmte auch die Zuwanderung seit jeher die soziale Struktur im Lend: Im ausgehenden 19. Jh. und zu Beginn des 20. Jh. war Lend ein Arbeiterbezirk mit 30.000 Einwohnern und vielen Arbeitsstätten vor Ort. Immer handelte es sich hier um einen Ort, an dem Kriminalität und Rotlicht eine wesentliche Rolle spielte. Im Zuge der wirtschaftlichen Transformation der 1980er Jahre. Industriebetriebe wurden geschlossen, was auch eine Abzug von Gewerbe- und Handelsbetrieben nach sich zog. Um den zunehmenden Verfall des Stadtteils zu verhindern wurde eine Aufwertung über die Schaffung einer Fußgängerzone in der Mariahilferstraße versucht. Dies war jedoch vorerst erfolglos und führte zu einer Verschärfung der Situation: Traditionelle Läden konnten sich auf den Wandel nicht einstellen, verloren weitere Kunden und sperrten ihre Geschäfte zu. Zu der Zeit entstanden jedoch auch erste Kunstinitiativen im Stadtteil. Eine Initiativengemeinschaft aus KünstlerInnen und Gewerbetreibenden setzte sich in den 1990er Jahren mit Unterstützung einer populären Zeitung für die Ansiedlung des Kunsthauses auf dieser, der „schlechten“ Murseite ein.

 

Transformation

Im Jahr 1998 beschloss die Grazer Stadtregierung in Hinblick auf das Kulturhauptstadtjahr 2003 das Kunsthaus am Lendkai zu errichten und damit zu einer Aufwertung des Quartiers beizutragen. Aus einem Architekturwettbewerb ging das Siegerprojekt des britischen Architektenteams Cook/ Fournier hervor. Das spektakuläre Bauwerk wurde im Herbst 2003 eröffnet. Zu dieser Zeit begannen sich junge Kreative im Stadtteil anzusiedeln und neue künstlerische Initiativen und Lokale wurden eröffnet: Das Palais Thienfeld, im hinteren, historischen Teil des Kunsthauses gelegen, wurde vom KünstlerInnenkollektiv „Vipers“ drei Jahre lang zwischengenutzt und das Lokal „Exil“, welches an Berliner Kneipen erinnert, eröffnete nicht unweit von hier. Weitere Lokale siedelten sich an und im Jahr 2006 kam es zu einer Verdichtung von kreativen Institutionen und damit Veränderung der Wahrnehmung des öffentlichen Raums. Mit dem Lendwirbel im Jahr 2008, einem von jungen Kreativen veranstaltetes Stadtteilfest, wurde das Image dieses Stadtteils weiter gestärkt und die auflagenstärkste Zeitung der Stadt bezeichnete das Viertel rund um den Lendplatz als lebendigsten und trendigsten Teil von Graz.


Auswirkungen der Transformation

In der Fussgängerzone der Mariahilferstraße vom Kunsthaus zum Lendplatz stiegen die Mietpreise für Immobilien auf Grund von Sanierungen und gestiegener Nachfrage deutlich im Zuge des Kulturhauptstadtjahres 2003. Rund um den Lendplatz ist in den letzten Jahren die virulenteste Bautätigkeit in der Stadt festzustellen, was zu einer teilweisen Gentrifizierung, über höhere Mieten in den Neubauten, führt. Mittlerweile haben sich auch etablierte Kunstinstitutionen, wie der Kulturverein Medienturm, der Kunstverein und das Haus der Architektur im Stadtteil angesiedelt.

 


Institutionen der Transformation

 

Die Scherbe

Das Lokal, welches Bar, Restaurant und Kulturinstitution auf zwei Ebene beherbergt ist der Szenetreffpunkt im Stadtteil und hat den Wandelt in den letzten vier Jahren mit geprägt. Vom morgendlichen Frühstück bis zur spätnächtlichen DJ-Veranstaltung sind hier die jungen Kreativen aus dem Lendviertel unterwegs.

www.scherbe.com

 

Kunsthaus Graz

Das Kunsthaus präsentiert zeitgenössische künstlerische Werke unterschiedlicher Sparten von den 1960er bis zur Gegenwart. Auf der Flussseite ist in die Aussenhülle eine Medienfassade integriert, wodurch die Außenhaut als Kommunikationsmedium fungiert. Neben der Institutionen des Kunsthauses finden sich die eigenständigen Institutionen und Ausstellungsräume der Camera Austria, des Kunstvereins und des Hauses der Architektur in verschiednen Teilen des Hauskomplexes.

www.kunsthausgraz.at

 

Tagwerk

Bekleidungs und Accessoires Laden mit einem sozialökonomischen Schwerpunkt in dem beschäftigungslose Jugendliche Taschen herstellen und Mode junger DesignerInnen verkauft wird.

www.tagwerk.at

 

blendend

Neuer Designladen mit ausgefallenen Spielzeug, unter anderem aus dem russischen und asiatischen Raum, Mode und Möbeln.

www.blendend.at

Fotos: Bernd Wohlmuth, Grafiker
Zitate: Martina Pusterhofer, Theaterpädagogin

 

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