Barrio Maravilla, Chueca, Fuencarral, Ballesta // Madrid

„Schwule und Lesben, die sich früher versteckt bewegten, tun das mittlerweile ganz offen hier.“

PLATZHALTER

Soziales und Geographie

Die Bezirke Chueca, Fuencarral und Ballesta befinden sich nördlich des historischen Zentrum von Madrid und grenzen an die Gran Via, eine der bedeutendsten Vergnügungs- und Verkaufsstraßen Madrids. Der Bezirk barrio Maravilla hat sich durch die Erhaltung der alten Stadtstruktur sein eigenes, romantisches Stadtbild bewahrt. Die Stadtteile funktionieren autonom mit eigener Dorfstruktur, mit eigenem Markt, Platz, Kirche, lokalen Bars und einer großen Auswahl an Geschäften. Man kennt sich auf der Straße, man grüßt sich. Über die Grenzen hinaus bekannt ist Chueca für seine Homosexuellenszene. In Barrio Maravillas leben viele Südamerikaner, die Läden mit traditionellem Handwerk (Schneider, Schuster und Lederwaren) eröffnet haben. Weiters gibt es in dieser Gegend auch eine Vereinigung chinesischer Kaufleute, die die traditionellen Greißler übernehmen und diese zum Teil in ihrer ursprünglichen Nutzung weiterführen, oder sie in „1 Euro Shops“ umfunktionieren. Viele Gebäude sind aufgrund ihres Alters in schlechtem Zustand. Die vielen Substandardwohnungen in der Gegend, ziehen vor allem MigrantInnen an. Erst seit 2004 gibt es seitens der Kommune Förderungen für die Gebäudesanierung.

 

Geschichte

Die 1908 errichtete Gran Via bildete die Grenzlinie des vornehmen Zentrums zu den Arbeiterbezirken, die über lange Zeit der „Backstagebereich“ dieser Straße waren: geprägt von Handwerkern, Kleingewerbetreibenden und Arbeitern.  Mit der movida madrileña, jener Kulturbewegung, die in den 1970er Jahren nach dem Tod Francos in Chueca ihren Ausgang nahm, erhält dieser Stadtteil als Mittelpunkt der alternativen Szene eine neue Identität und beginnt sich eigenständig zu entwickeln.

 

Transformation

Die Zusiedlung der kreativen Szene vollzog sich in mehreren Etappen: Nach Chueca, wo der Prozess in den späten 1970er Jahren einsetzte, begann ein solcher Prozess in der Calle Fuencarral erst 1998 mit der Besetzung eines  dreigeschossigen Einkaufszentrums ein: es entstanden Räume für kleine Geschäfte (lokale Labels, Modedesigner), Lokale, Musikläden usw. und es wurden Events organisiert (Dj Sets, Ausstellungen, Partys).

Im Zeitraum von 2006 bis 2007 zog das verbleibende Viertel Ballesta nach: der Verein TriBall, Triángulo de la Ballesta, kaufte einen Großteil der leer stehenden Geschäfte im Bezirk Ballesta auf. Im Oktober 2007 präsentiert sich TriBall im Rahmen einer Veranstaltung, als „Vereinigung von Geschäftbesitzern“, die dem barrio Maravillas einen neuen Schwung geben wollen. Weitere Aktionen sind sowohl die „Säuberung“ des Bezirks von  Prostitution, als auch die Kontrolle der lokalen Drogenszene durch verstärkte Polizeipräsenz.  

 

Auswirkungen der Transformation

Der mercado de Fuencarral  hat sich mittlerweile etabliert und zeigt bereits Tendenzen einer Kommerzialisierung auf. Die Mieten der Geschäfte in der Calle Fuencarral sind heute höher als in der Londoner Oxford Street. In Ballesta verfolgt der Verein TriBall eine kontrollierte Vergabe der leer stehenden Lokale an junge DesignerInnen zu niedrigen Mieten. TriBall organisiert sowohl Webauftritt, als auch Modeschauen und Märkte für sie. TriBall ist bemüht durch gezielte Standortaufwertung und eine künstlich initiierte Gentrifizierung in Ballesta Gewinne zu erzielen. Und tatsächlich gibt es bereits Gerüchte, über das Interesse von großen Marken, wie Puma und Hugo Boss, an dieser Gegend.

 


Institutionen der Transformation

 

Mercado de Fuencarral 

Ehemals besetzte Markthalle mit einer freien Kulturszene und mittlerweile Einkaufzentrum für hippe BesucherInnen mit künstlerischen Events, Nachtclub und DJ-Sets statt Fahrstuhlmusik.

www.mdf.es

 

TriBall

Die Initiative mit dem Untertitel „Okupación Creativa“ gibt sich als Förderer der Kreativszene aus, wird aber von der lokalen Szene sehr kritisch beobachtet, da vermutet wird, dass hier eine künstliche Gentrifizierung zur Wertsteigerung der Immobilien betrieben wird.

www.triballmadrid.com

Fotos und Text: Isabel Espinoza, Architektin

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