Užupis // Vilnius

„Aufgrund des ländlichen Lebensrhythmus fällt das kreative Schaffen hier leichter als anderswo“PLATZHALTER

Soziales und Geographie

Užupis ist ein Stadtteil der litauischen Hauptstadt Vilnius, der sich am Rande der Altstadt „jenseits des Flusses“ (= Užupis) befindet. Užupis umfasst eine Fläche von 0,6 km² und stellt einen relativ abgeschlossenen Stadtteil dar, aufgrund der dreiseitigen Begrenzung durch den Fluss Vilnia. Im Rahmen einer Kunstaktion wurde Užupis zur unabhängigen Republik mit eigenem Präsidenten, eigener Verfassung und eigenen Festtagen ausgerufen. Ohne offizielle Anerkennung finden in Užupis regelmässige Wahlen statt und das Viertel feiert jährlich am 1. April seinen Unabhängigkeitstag.

 

Geschichte

Das Areal wurde im 15. Jahrhundert besiedelt. Der ursprünglich jüdische Stadtteil wurde, nach der Ermordung und Vertreibung des Großteils seiner Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg, zu einer der sozial verwahrlosten Gegenden von Vilnius. Kriminalität und Prostitution kennzeichneten das Viertel; nur 40 Prozent der Wohnungen hatten bis zu dieser Zeit Strom und sanitäre Anlagen. Nach der Unabhängigkeit Litauens von der UdSSR im Jahr 1990 entwickelte sich ein aktiver Immobilienmarkt in der zentralen Altstadt von Vilnius. Die Mieten begannen zu steigen, was dazu führte, dass Užupis, das nicht von dem Wandel betroffen war, einen stetigen Zuzug an Künstlern verzeichnete.

 

Transformation

Die neu zugezogenen KünstlerInnen veränderten das Stadtviertel schon bald mit Galerien, Werkstätten und Lokalen belebten, wodurch ein nachhaltiger Wandel des Stadtviertels begann. Um das Kollektive zu stärken machten sich die Künstler auf die Suche nach einem eigenen Namen für den Ort. Das führte dazu, dass im Jahr 1997 die unabhängige Republik Užupis ausgerufen wurde. Neben der Schaffung von Symbolen, wie Flagge (eine für jede Jahreszeit), Hymne und Landkarte wurde das Kollektiv auch als Bürgerinitiative aktiv. So hat es Aktionen gegen die Schließung der öffentlichen Bibliothek im Stadtteil gegeben. Die Republik Užupis ist nicht vom Wunsch nach Unabhängigkeit von staatlichen Behörden, von Vilnius, von Litauen getragen. Es geht vielmehr um den Wunsch nach Freiheit im Geist, im Denken für Toleranz und für Nicht-Stereotype. Jeder Mensch kann Užupis-Einwohner werden, auch wenn er nicht physisch hier wohnt. Andererseits sind nicht alle BewohnerInnen von Užupis auch Mitglieder der Republik. Am Tag der Republik, jedes Jahr am 1. April, gibt es für jeden Besucher ein Visum. Ein Visum für das Glück. Ehrenbürger der Republik ist der Dalai Lama, der 2001 zu Besuch im Stadtteil war.

 

Auswirkungen der Transformation

Mittlerweile ist Užupis zu einem beliebten Stadtteil der Boheme geworden und wird zunehmend Gentrifiziert. Sogar der Bürgermeister von Vilnius lebt mittlerweile im Stadtteil. Da Užupis auch maßgeblich für die Verleihung des UNESCO Weltkulturerbe Titels, wird der Stadtteil von vielen Touristen frequentiert. Mittlerweile wird der Stadtteil mit dem Pariser Kunstviertel Montmartre verglichen. Im Jahr 2009 ist Vilnius gemeinsam mit der Stadt Linz Kulturhauptstadt Europas. Im Zuge dieses Kulturhauptstadtjahres werden auch in Užupis künstlerische Projekte umgesetzt, wobei auch hier die freie Kunstszene kritisch gegenüber dem Bürokratismus eines solchen Events ist.

 


Institutionen der Transformation

 

Galera

Die „Galera“ – Galerie und Studios – wird von der Künstlergruppe Užupis Kunst-Inkubatoren verwaltet und betrieben. Das 500 Quadratmeter große renovierungsbedürftige Haus am Vinelė-Ufer wird von der Stadt Vilnius zur Verfügung gestellt.

www.umi.lt

 

Užupio Kavine

Das Kneipen-Cafe ist der Regierungssitz der Republik Užupis, ohne ein abgeschlossenes Parlament zu sein. Hier finden die Sitzungen zum Treffen wichtiger Entscheidungen für die Republik statt.

www.uzupiokavine.lt

Fotos: Judith Lewonig, Journalistin und Netzwerkerin