Nordstadt // Dortmund

„Ich liebe die Nordstadt, weil ich mich so fühle, als wäre ich nicht in Deutschland.“Platzhalter

Soziales und Geographie

Die Nordstadt liegt, wie der Name schon verrät, im nördlichen Teil der Dortmunder Innenstadt. Es leben ca. 55.000 Menschen in dem dicht besiedelten Stadtteil und rund 40 Prozent der BewohnerInnen hat einen Migrationshintergrund. Die Arbeitslosigkeit liegt im Jahr 2002 zwischen 20 und 25% und ist bei Jugendlichen und BürgerInnen mit Migrationhintergrund sogar noch höher. SozialhilfeempfängerInnen und SonderschülerInnen sind hier häufiger anzutreffen als im Gesamtstädtischen Vergleich. Obwohl dieser Stadtteil die Rotlicht- und Drogenszene der Stadt beheimatet ist Kriminalität kein spezielles Problem der Nordstadt: Kriminelle Delikte werden in der Nordstadt nicht häufiger verübt als in anderen Stadtteilen

 

Geschichte

Die Nordstadt wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. im Zuge der Entwicklung des Hafens, der Stahlindustrie und des Bergbaus als Industrievorstadt Dortmunds planmäßig angelegt. Die Geschichte der Menschen in der Nordstadt schon immer eine Geschichte der Zuwanderung und der Integration.

Die Sozialisation und Integration der MigrantInnen erfolgte vor allem über den Arbeitsprozess. Diese Entwicklung wiederholte sich bis in die frühen 1970er Jahre mit den einwandernden GastarbeiterInnen aus den südeuropäischen Ländern. Familienzusammenführungen seit den 1970er Jahren, vermehrte Zahlen von AsylwerberInnen in den 1980er Jahren und Aussiedlerzuzüge und Kriegsflüchtlinge in den 1990er Jahren führten zu einem raschen Anstieg des Anteils der Bewohner mit nichtdeutschem Pass.

Gab es 1964 noch 34.000 Arbeitsplätze in der Stahlindustrie Dortmunds, sinkt die ArbeitnehmerInnenzahl zwischen 1972 und 1979 auf ca. 20.000. Die Hoesch-Krupp-Fusion 1991 und die Thyssen-Krupp-Fusion 1997 brachte eine drastische Reduktion auf 2.700 Arbeitsplätze, womit ein nachhaltiger Strukturwandel einherging.

 

Transformation

Die Befürchtung, dass sich die Nordstadt in stadträumlicher, sozialer und ökonomischer Hinsicht immer weiter von den anderen Dortmunder Stadtteilen abkoppelt, veranlasste die Kommunalverwaltung, die Initiative URBAN II ins Leben zu rufen. Mit dem Ziel die Stärken und vorhandenen Potenziale zu nutzen, wurde eine große Zahl von innovativen Modellprojekten initiiert. 

 

Auswirkungen der Transformation

Mittlerweile ist die Dortmunder Nordstadt einer der vielfältigsten und lebendigsten Kulturstandorte in der Stadt: "Ob Galerien oder Theater, Sport oder Museen, die Nordstadt bietet für jeden etwas. An unerwarteten Orten findet sich Neues, Überraschendes und Beispielloses.“ Somit ist die Nordstadt ist das inoffizielle Viertel der Kreativwirtschaft Dortmunds.

 

Institutionen der Transformation

 

Depot

Das Depot, eine ehemalige Straßenbahnremise, wurde 1995 – im Zuge eines IBA-Projekts – von zwei Initiativen (Kulturwerkstatt und Stadtteilarbeit) bezogen. Die Einrichtung ist mittlerweile Zentrum für Kunst und Kultur und für Nachbarschaft im Stadtteil. Regelmäßig finden Theater- und Tanzfestivals statt und es gibt Gastronomie, die täglich geöffnet hat.

www.depotdortmund.de

 

Urban II Dortmund Nordstadt

Das Urban II Projekt in der Dortmunder Nordstadt zeichnete sich dadurch aus, dass ein wirtschaftlicher Schwerpunkt auf den Bereich der migrantischen Ökonomien und der Integration benachteiligter Bevölkerungsgruppen gelegt wurde.

http://urban.dortmund.de

 

Killefit

Im Killefitt - einem Café am Nordmarkt - findet jeden letzten Samstag im Monat ein Kreativmarkt statt: Designer, Graphiker, Fotografen und alle anderen mit guten Ideen bekommen auf dem Nordmarkt eine Plattform zum Ausprobieren, Präsentieren und Verkaufen. Daneben gibt es laufend kulturelle Angebote im Bereich von Literatur und Musik.

www.cafe-killefitt.de

 

51° Nord

Im Jahr 2005 wurde über ausgehend vom Innovationszentrum Nordstadt eine im Rahmen des Urban II Projekts eine Vernetzung der Kreativen angestrebt. Dadurch hat sich ein Netzwerk (Verein) mit dem Ziel der Förderung von Innovation und Dialog sowie der stärkeren Positionierung des Standortes etabliert.

www.51nord.de

 

Nordstadtateliers

Eine Initiative im Zuge derer im Rahmen eines Tages der offenen Tür die Ateliers aller Kreativen in der Nordstadt für Besucher geöffnet sind.

www.nordstadtateliers.de

 

Kulturmeile Nordstadt

Als nachhaltiger Bestandteil des Urban II Projekts ist gegenwärtig gerade eine Kulturinitiative unter dem Titel „Kulturmeile“ am entstehen.

http://www.kulturmeilenordstadt.de/

Fotos und Text: Lucia Thiel, Pädagogin

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